Der AvD-Sportpräsident Volker Strycek im Gespräch

(Rallye-Report.de) Wann und wo immer es gilt die Marke Opel sportlich zu präsentieren, ist auf Volker Strycek verlass, seit dem Jahr 2009 gilt dies auch für den Rallyesport. Den ersten Kontakt mit dem Rallyesport hatte Strycek in Thüringen. Auf den Wunsch der Organisatoren begleitete der Opel-Sportchef die AvD-Rallye Eisenberg als Vorauswagen. Die Premiere als Teilnehmer gab es kurze Zeit später bei der AvD-Rallye Sachsen. Mit Gesamtplatz 8 und einem 2. Platz in der Division übertraf Strycek – gemeinsam mit dem Thüringer Copilot Robert Patzig – nicht nur die eigenen Erwartungen. Auch die Zuschauer waren vom Fahrstil begeistert.

Bei seiner Teilnahme an der Rallye rund um Zwickau, die sowohl Bestandteil des DRM- als auch DRS-Kalenders war, wurde Strycek offenbar mit den Rallyevirus infiziert. Damit war seine Teilnahme bei der Rallye Wartburg in der Opelheimat nur konsequent. Eine Plazierung unter den Top 10 war das erklärte Ziel. Mit einem dritten Platz in der Gesamtwertung und den Bestzeiten auf drei Wertungsprüfungen begeisterte das Opel-Team erneut die Zuschauer. Bei der 10. Lausitz-Rallye starteten Strycek und Patzig im Opel Corsa OPC Turbo und konnten mit dem 19. Gesamtplatz die erste Rallyesaison erfolgreich beenden.

Als AvD-Sportpräsident bringt sich Volker Strycek aktiv in die Diskussion um die Zukunft des Rallyesports ein und stand dem Rallye-Report für ein Interview zur Verfügung:

Herr Strycek, die 2006 als Ersatz für die ausgefallene DRM begründete Deutsche Rallye Serie (DRS) geht 2010 in die fünfte Saison. Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung der DRS und welche Perspektiven sehen für die DRS mittel- und langfristig?

V. Strycek: Die DRS, spontan als Ersatz für die DRM ins Leben gerufen, hat sich sehr gut entwickelt. Mit ein Grund dafür ist auch die tatkräftige Unterstützung und Mitarbeit in der Organisation der Veranstaltungen durch unseren Rallyeleiter, Michael Görlich und die gesamte AvD-Mannschaft . Die Auswahl der DRS Events war gelungen und für die Teilnehmer attraktiv. Das Konzept soll auch 2010 beibehalten werden. Um eine Aussage über die langfristige Perspektive zu machen, muss abgewartet werden, wie sich der Rallyesport in Deutschland entwickelt.

Der Vizemeistertitel 2009 ging an die jungen Thüringer Andreas Lohfing und Marco Witzel im seriennahen VW Polo GTI. Somit hat das ausgeglichene Punktesystem der DRS bewiesen, dass auch Teams mit einem leistungsschwächeren Fahrzeug aber konstanten Leistungen bei den einzelnen Veranstaltungen in der Meisterschaft ganz vorne landen können. Kann man das ausgeglichene Punktesystem als Erfolgsrezept der DRS bezeichnen?

V. Strycek: Genau das ist das Ziel: Allen Teilnehmern eine reale Chance zu bieten, über das Punktesystem erfolgreich zu sein.

Die Planungen für die nächste Saison laufen sicherlich auf Hochtouren. Wird es grundlegende Änderungen/Neuerungen im Konzept geben?

V. Strycek: Nein, wir bauen auf dem bestehenden Konzept auf, wollen jedoch einige Details verbessern.

Zum Ende der Saison 2009 und gab es Misstöne aus dem Teilnehmerfeld. Können Sie die von Michael Krause geäußerte Kritik nachvollziehen?

V. Strycek: Grundsätzlich muss es erlaubt sein, Kritik zu üben. Nichts und niemand ist perfekt. Ich wünsche mir jedoch, dass nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Unser Rallyeleiter hat auch dieses Thema professionell abgearbeitet und Lösungen aufgezeigt.

Stehen die Wertungsläufe und deren Termine für die kommende Saison schon fest? Wird es in Thüringen mit der Rallye Eisenberg, Rallye Wartburg und Thüringen-Rallye wieder drei Termine geben?

V. Strycek: Die Planungen laufen auf Hochtouren. Bestätigen können wir die Rallye Eisenberg noch nicht. Die beiden anderen Rallyes sollen wieder im Programm sein.

Die Absage der Rallye-Oberland, die Entwicklungen bei unseren Nachbarn in Österreich und die Suche nach einer geeigneten Rallye für das DRM-Finale führen zwangsläufig zur Frage “Quo vadis Rallyesport”? Unter zahlreichen Fans gibt es die Sorge, dass der nationale Rallyesports in die Krise steuert. Sehen Sie das ähnlich?

V. Strycek: Ich habe mich bereits mehrfach dazu geäußert: Meines Erachtens brauchen die Aktiven im nationalen Rallyebereich eine sauber aufgestellte Struktur für die Zukunft. Ich spreche hier von der ersten und zweiten Liga und einem sauberen Unterbau. Wenn wir es schaffen, Rallyes gemeinsam zu organisieren wie bei der Rallye Wartburg praktiziert, kann man sich die ganzen Serien sparen, einen erforderlichen Unterbau schaffen und damit etwas für die Sportler tun.

Sehen wir eine derartige Zusammenarbeit von ADAC und AvD in den nächsten Jahren häufiger?

V. Strycek: Wenn es nach uns geht, sind wir gern wieder zu einer solchen Zusammenarbeit bereit – auch über die Rallye Wartburg hinaus.

Die Thüringer Rallyefans waren von Ihren Auftritten im Opel Astra KitCar sowohl als Vorausfahrzeug bei der Mohren-Rallye als auch als Gesamtdritter bei der Wartburg-Rallye begeistert. Sie auch?

V. Strycek: Für mich ist dieses großartige Ergebnis bei der Rallye Wartburg immer noch nicht ganz nachvollziehbar. Ich hätte nie geglaubt, dass so etwas möglich ist. Für mich waren dies die ersten Rallyes, die ich gefahren bin und von der Begeisterung, von der Faszination, die ich dabei bei mir, meinem Co-Piloten und den Fans feststellen konnte, schwärme ich noch heute. Bei der Lausitz-Rallye bin ich das erste Mal auf Schotter gefahren. Auch da kam selbst für einen hartgesottenen Motorsportler wie mich ein ganz neues Feeling und neue Begeisterung auf. Ich hatte schon immer großen Respekt vor den Rallyefahrern, kann aber erst jetzt so richtig nachvollziehen, was die Piloten und vor allem auch die Co-Piloten leisten.

Sehen wir Sie in der Saison 2010 erneut in Thüringen?

V. Strycek: Wenn es nach mir geht, gerne. Aber ob sich dieser Wunsch realisieren lässt, kann ich heute noch nicht absehen.

Werden wir Sie dann mit dem Opel Corsa OPC Turbo oder dem Opel Astra KitCar starten?

V. Strycek: Am liebsten würde ich mit beiden fahren. Welches Fahrzeug würden Sie denn gerne sehen?

Nach den Auftritten in Sachsen und Thüringen ist unser Favorit das Opel Astra KitCar – laut, schnell und quer! Wir freuen uns schon jetzt auf die kommende DRS-Saison und danken Ihnen für das Gespräch.

Zur Person:
Der am 13. Oktober 1957 in Essen geborene Volker Strycek gewann 1984 mit BMW die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und fuhr ab 1989 für Opel. Nach Ende der Deutschen Produktionswagen-Meisterschaft wurde Strycek Manager bei Opel. Die motorsportlichen Aktivitäten fanden allerdings kein Ende sondern – ganz im Gegenteil – wurden erfolgreich fortgesetzt. Im Jahr 2003 gewann Strycek das 24-h-Rennen auf dem Nürburgring mit einem DTM-Opel und zusammen mit drei weiteren Piloten.

Seit 1998 ist der Vater zweier Kinder Geschäftsführer des Opel Performance Centers (OPC) und Chef der Mottorsportabteilung von Opel. Der AvD-Sportpräsident lehrt seit 2006 an der Technischen Universität Berlin das Fach “Technik und Management im Motorsport”.

© Rallye-Report.de // Danny Neidel